Öffnungszeiten

Apr – Dez, Mi – So 11:00 – 17:00 Uhr
Letzter Einlass um 16:30 Uhr

Führungen sind ganzjährig auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten möglich

      

Tel. 09123 / 184 4060

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Elise Simon

Ich bin Elisabetha Simon, geboren 1863, genannt Elise und stamme aus der Hammerwerks-Familie Engelhardt. Nachfahren der Engelhardts gibt’s heute noch viele in Lauf.

Mein Vater war Eigentümer und Meister eines der Laufer Hammerwerke und hatte eine große Verantwortung. Als zweitälteste Tochter, 1863 geboren, musste ich mich viel mit um meine 7 Geschwister kümmern. Das und die Haus- und Feldarbeit waren schon anstrengend.

So hatte ich bereits viel erlebt, als ich 1881 mit meinen gerade 18 Jahren den Witwer Johann Simon heiratete. Ihm gehörte das Anwesen Marktplatz 12 und damit auch ein Brau- und Schankrecht. Das Haus selbst war noch recht neu. Das alte war 1869 einem Brand zum Opfer gefallen, der vier Häuser in Schutt und Asche legte. Das Haus Nr. 11 wurde gar nicht mehr aufgebaut. Dafür entstand eine neue Zufahrt zum Marktplatz – die heutige Falknerstraße.

Dieser Straße verdanken wir es, dass unser Haus an der Straßenseite ganz viele Fenster erhalten hatte. Normalerweise gab es an den Längsseiten nur kleine Fenster zum Lüften. Nachbarhäuser waren, und sind es heute noch, zum Greifen nah. Kein Tageslicht schafft es in diese Enge.

Unser Familienbetrieb war vielfältig. Wir hatten eine Landwirtschaft und bauten selbst Hopfen an, trockneten ihn auf dem großen Dachboden und verkauften einen Teil weiter. Mein Mann Johann nutzte das Braurecht und wir schenkten in der Gaststube unser Bier aus. Es gab damals noch kein Flaschenbier. Wenn man zu Hause Bier trinken wollte, schickte man meist die Kinder mit einem großen Steinkrug ins nächste Wirtshaus, um das Bier zu holen. Oder die Männer kamen eben gleich zu uns. Da wurde regelmäßig fleißig gezecht, diskutiert und Karten gespielt. Zum Essen ging man aber nach Hause. Unüblich war auch der Besuch von Frauen in der Gaststätte. Die Männer blieben unter sich.

Ich war natürlich schon dort. Irgendjemand musste ja bedienen und organisieren. Da hieß es auch Magd und Knecht anzuschaffen. Ins Haus kamen zusätzlich eine Waschfrau, und die Flickfrau. Kuhstall, Schweine- und Pferdestall, die Hühner, der Gemüsegarten und Feldarbeit musste eingeteilt werden. Und natürlich im Winter immer wieder der Brauprozess. Hatte es länger stark gefroren, stapften alle zum Kunigundenweiher zum Eishauen. Das lagerten wir mit dem Bier in unseren Felsenkellern.

Dann starb 1904 überraschend mein Mann und ich stand allein da, mit 41 Jahren und 8 Kindern. Also krempelte ich die Ärmel hoch. Ich verkaufte den Hopfenanbau und -Handel und konzentrierte mich aufs Bier und die Gaststätte. Das Brau- und Schankrecht gehörte zum Haus und blieb mir somit erhalten.

Wenn wir heute zurückblicken, war es eine gute Entscheidung. Trotz zweier Weltkriege, Inflation und Währungsreform, Besatzungszeit, Zuwanderung und Einquartierung ist das Anwesen Marktplatz 12 heute noch Familieneigentum. Simon-Bier gibt es heute noch. Und wenn ihr eines trinkt, denkt gerne an mich mit der Überlegung: „Wenn die Elise damals nicht ihre „Frau“ gestanden hätte, gäbe es heute kein Simon-Bier mehr.“

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